Nicht auflegen (Phone Booth)

Weil Cinestar nun auch Donnerstags einen auf €4 macht, dachte ich, ich nutze die Gelegenheit und schau mir “Nicht auflegen” bzw. “Phone Booth” an. Der Spiegel brachte einen Artikel darüber, Freunde sprachen mich auf den Film an und überall, wo ich nachschaute, war die Kritik vorwiegend positiv.

Nach zehn Minuten im Film dachte ich “Oh je, der wird langweilig.” Ich habe mal ein Buch über das Schreiben von Drehbüchern gelesen und da stand, zurecht, dass man bei 99% der Filme in den ersten 10 Minuten merkt, ob der Film gut ist oder nicht. Also immer wenn ein Film langweilig war, wusste ich es eigentlich schon nach 10 Minuten. “Nicht auflegen” gehört zu den restlichen 1%.

Also: Viel beschäftigter PR-Mann (den ganzen Tag am Handy, macht einen auf wichtig) wird in einer Telefonzelle von einem Scharfschützen angerufen, der ihm Befehle erteilt. Befolgt er sie nicht (oder legt er auf), wird er (oder andere) erschossen. Und so spielt sich der ganze Film in der Telefonzelle und auf der umgebenden Straße ab. Mit der Zeit kommen immer mehr Leute ins Spiel und, wie gesagt, es wird richtig spannend. Ich bin mir nicht so sicher, ob man das Ende des Films als Happy End bezeichnen soll. Auf jeden Fall dreht sich die gesamte Geschichte am Ende noch ein paar Mal – und solche Sachen liebe ich (z.B. wie in Fight Club [Tyler und ich sind dieselbe Person] oder The Game [Es ist also doch nur ein Spiel]).

Es ist ‘ne gute Unterhaltung und ich kann den Film wärmstens weiterempfehlen. Allerdings lässt er auch ein paar Punkte offen (z.B. die Sache mit dem Pizza-Mann). Auch über den Charakter von Stew, der Hauptfigur, lernt man was direkt nur am Anfang für 5 Minuten. Den Rest erfährt man in der Telefonzelle. Finde ich nicht so gut. Und das ist wohl der Punkt, wegen dem ich den Film jetzt nicht für alle Zeiten im Kopf behalten werde. Hab kürzlich American Beauty nochmal gesehen und ich finde, dass die Charaktere dort wirklich alle ausnahmslos zur Geltung kommen und richtig gut in die Geschichte eingebaut werden. Das ist hier auf jeden Fall nicht so, aber dennoch: für €4 würde ich diesen Film auf jeden Fall Charlie’s Angels, Tomb Raider oder dem Kindergarten Daddy vorziehen.

Update (1.10.2003): Da sieht man mal, wie gut ich aufpasse. Hier ist eine Liste von Fehlern, die den Filmemachern mit “Nicht auflegen” unterlaufen sind.

Keine Kommentare, keine Pings.

3 Kommentare

  • Hm, ich dachte ja immer dass der Film es nicht wert ist; Colin Farrell ist auch echt nen Poser. Hab in letzter Zeit aber öfters ganz gute Kommentare gehört. Glaub ich schau ihn mir doch mal an…

  • Er spielt ja auch im Film nen Poser. Vielleicht spielt er ja auch sein eigenes Leben.

  • Schon der Trailer (=die Idee des Films) sprach mich nicht wirklich an. Selbiges Gefühl fand ich dann beim Anschauen des Films bestätigt. Hab mich selten so gelangweilt. Mir war sowohl der Typ in der Telefonzelle egal, wie auch seine Frau, seine Geliebte und erst recht der Gestörte am anderen Ende der Leitung. Insgesamt anderthalb Stunden, die ich mit Leuten zugebracht habe, die mich von Herzen angekotzt haben:(