Jam-Session: b-flat, Rosenthaler Str. 13, Mitte
Wenn man vom Rosenthaler Platz in Richtung Hackescher Markt läuft, kommt man am b-flat vorbei. Und fast immer sieht man dort durch’s Schaufenster eine Jazz-Band spielen. Wer an einem Mittwoch daran vorbei geht, wird die Jazz-Jam-Session sehen, an der vorwiegend Musikstudenten teilnehmen, so scheint es.
Zumindest sind die Musiker technisch absolut fit. Man sieht das auch daran, dass niemand mit Noten auf der Bühne steht. Und das, obwohl nicht gerade die bekanntesten Stücke gespielt werden. Leider läuft – wenn man das mal genauer betrachtet – eine solche Jam-Session oft sehr auf Selbstdarstellung heraus. Als Musiker fehlt mir ein bisschen das Zusammenspiel, man möchte meinen, dass manch Klavierspieler von seiner Rhythmusgruppe denkt, dass sie nur da ist, um ihn zu begleiten.
Interessant sind die Figuren, die dort spielen. Es scheint, als seien Jazz-Musiker von einer komplett anderen Welt als z.B. Rockmusiker. Von den meisten Spielenden hätte ich geglaubt, dass sie Informatik-Studenten seien, rein äußerlich gesehen. Ganz abwegig ist das ja auch nicht, da Jazz schon eine geeky Wissenschaft für sich ist (die auch viele Außenstehende nicht verstehen). Interessant ist auch, die Gesichter und Bewegungen der Musiker während ihres Solos zu beobachten. Manch einer scheint unter Schmerzen zu leiden, andere sehen aus, als müssten sie dringend auf die Toilette oder als müssten sie unbedingt das Spiel gewinnen.
Von diesem Standpunkt aus macht es richtig Spaß, zu einer solchen Jam-Session zu gehen, auch wenn die Musik sich nicht wirklich von der Musik vor 20 Jahren unterscheidet (meine Hauptkritik am Jazz: es passiert kaum etwas Neues; meine Hauptkritik an den Musikern: kein eigener Stil, man könnte sie genauso gut austauschen). Wer also Lust auf Standards hat bei einer netten Atmosphäre, wird im b-flat gut bedient. Man sollte vor 22 Uhr kommen, da es sehr voll werden kann. Der Heiße-Schokolade-mit-Sahne Index liegt bei EUR 2,50, ein Glas Wein für EUR 4,20. Mittwochs kommen auf jedes Getränk EUR 0,30 drauf für die Musik (die Musiker bekommen dafür einen Kasten Bier auf die Bühne gestellt).
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