Gloomy Sunday (D 1999)
Budapest in den Dreißigern, László Szabó (Joachim Król) und Ilona Várnai (Erika Marozsán) führen ein Restaurant. Ihr Pianist András Aradi (Stefano Dionisi) schreibt aus Verehrung ein Lied für Ilona: Das Lied vom traurigen Sonntag. Das Lied wird bekannt, und damit auch das Restaurant. Als der Krieg ausbricht wird der deutsche Hans Eberhard Wieck (Ben Becker), ein Stammkunde des Restaurants, NS-Direktor für Budapest — was pikant ist, denn László ist Jude.
Einer der wenigen wirklich guten deutschen Filme der letzten zehn Jahre. Nicht zu viel Offensichtliches, eine schöne und traurige Geschichte, und Gott sei Dank keine Liebeskomödie.
Guter Einstieg mit András Bálint als trocken zurückhaltender Restaurantinhaber der Gegenwart; der eigentliche Film ist eine Rückblende. Joachim Król und Ben Becker in Rollen die ihnen passen und in denen sie nicht nerven (hätte nicht gedacht dass man sowas noch zu sehen bekommt). Becker perfekt als der ekelhafte opportune Deutsche, der zwar nett tut aber von Anfang an nie zur Identifikationsfigur werden kann. Król ebenso gut als netter und kompetenter Restaurantinhaber, wenns später emotional wird spielt er überzeugend. Erika Marozsán perfekt gecastet als engelhafte Schönheit der alle verfallen, und Stefano Dionisi als Pianist, schließlich als am Weltschmerz zerbrechender Künstler.
Typisch deutsch die brave, beinahe eindimensionale Inszenierung, aber weit weniger störend als sonst. Trotzdem alles wunderbar, und der überaschendste, befriedigendste Schluss den man sich denken kann.
Die Geschichte des Liedes “Gloomy Sunday” ist authentisch. Es wurde 1933 von Rezsô Seress in Ungarn komponiert, mit Text von László Jávor. Die Stimmung des Liedes von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung führte angeblich in Ungarn zu mehreren Selbstmorden, daher der Spitzname “Suicide Song”. Es gibt unter Anderem Versionen von Billie Holliday, Loreena McKennitt, Heather Nova und Björk.
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