Full Frontal (2002)

Steven Soderbergh hatte grade Zeit für ein Kurzprojekt: in nur 18 Tagen drehte er “Full Frontal” mit Starbesetzung und kaum Budget. David Hyde Pierce (Frasier), Julia Roberts, Catherine Keener (Being John Malcovich), David Duchovny (X Files), Brad Pitt und mehr spielen auf. Im Dokumentarstil, mit vielen Voiceovers, auch Digitalkameras, verschlüsselt-nonlinearer Erzählform; Hollywood als Independent-Movie. Not for everybody.

fullfrontal01.jpgAlles dreht sich um Hollywood. Ehrgeizige Akteure im Filmbusiness, Drehbuchschreiber, Regisseure, Executives, Schauspieler, eine Journalistin, ein Hitler-Darsteller im Off-Theater mit Ambitionen, eine Geburtstagsparty, dazu Zwischenmenschliches, Familie und auch bisschen was mit Drogen.

Stereotypisch postmodern-zynisch mit Film im Film im Film (im Film), amerikanisch-überneurotischen Figuren, kaputten herzlosen Beziehungen, Leben an der Oberfläche, Spannungsfeld Erfolg-Scheitern, unerfüllten Wunschvorstellungen, Nervenzusammenbrüchen. Unspannendes Verwirrspiel, ständige Wechsel der Erzähl-Ebenen. Strukturell komplex, hauptsächlich durch Auslassungen und chaotische Schnitte, fehlende klassische Erzählstruktur. Manche Elemente wirken als ob sie provozieren sollen. Die Hitler-Szenen sind eine Anbiederung. Julia Roberts — ugh. Gus als in den Gesprächen allgegenwärtige Figur der später stirbt, stellvertretend, als Symbol. In Jesus-Pose. Laangweilig.

fullfrontal02.jpgGegen Ende lockert es sich ein wenig (komischste Szene, ohne zuviel verraten zu wollen: “Any nightmares yesterday?” “Uh, no. I had an afro!”). Eine der guten Entscheidungen war es Brad Pitt als das zu verwenden was er ist, ein inhaltsleeres Symbol für das Angestrebte, für den allgegenwärtigen vergeblichen American Dream. Interessant den Film zu entschlüsseln, die symbolträchtige unstabile Erzähltechnik, der subtile Humor; aber es gelingt nicht, Interesse für den Film selbst zu wecken. Es wird kaum mehr geboten als verschlüsselte Botschaften. Verkopft, kein Fleisch. Symbol Symbol Symbol.

Vermutlich war das Ziel, einen originell zeitgenössischen Film zu produzieren. Die verwendeten Stilmittel sind inzwischen zu gewöhnlich als dass sie dauerhaft einen Film tragen könnten. Dennoch: je länger er läuft, je mehr man sich an die Erzählform gewöhnt, umso mehr gefällt er.

Bester Kommentar im Netz: “This is the kind of thing they make film and acting students watch.”

(Kleine Belehrung an die deutschen Übersetzer: ein “full frontal” ist in diesem Zusammenhang eine Ganzkörperaufnahme per Film- oder Fotokamera. Der deutsche Titel “Voll Frontal” weckt unangenehme Assoziationen an Rötger Feldmans Werner-Filme und Kölner TV-Humor, wovon der Film nicht weiter entfernt sein könnte.)

IMDB: Full Frontal
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