Erykah Badu – Worldwide Underground

Erykah Badu macht tolle Alben. Schmoove und beseelt, entspannt aber ernsthaft, Spannungsbogen zwischen besinnlich und leidenschaftlich, soulful. Diesmal mit mehr Sequencer-Rhythmik statt Liveband, hat aber wenig von ihrer Dynamik verloren. Mehr Gastmusiker diesmal, unter Anderem Zap Mama (mit höchst seltsamem Free-Vocal-Einsatz), Angie Stone, Bahamadia, Dead Prez, Queen Latifah, Lenny Kravitz, … Lenny Kravitz? Hm, mal sehen…

Stück Nummer vier, “I Want You”, ist interessant und auch kennzeichnend für das Album. Und das ganz ohne Gastmusiker. Startet in Stößen, leicht übersteuerte Kick (ich frag mich immer noch ob das Absicht ist), I-I-I, You-You-You, Akzente mit der Hihat, lässt sich Zeit für den Aufbau, What we gon’ do? — nach zwei Minuten beginnt sie zu singen, aus dem Rhythmus schält sich Musik, Orgel, Bass, Schlagzeug, Stimme. Später ein Break, I know you’re a little nervous, I know you really want this, dann Groove. Love is on the way. Typisches Badu-Stück, hört sich erstmal ziemlich gut an. Dann immer langsamer, tiefer, Herzschlag. I-I-I want you-you-you. Hihat-Akzent, und man freut mich dass es jetzt wieder losgeht aber dann hakt es, bleibt mitten im “you” stehen, irgendwo zwischen “y” und “u”, und dann — whut!!? Cheesy Gitarrensolo? Triumph-Fanfare? Rockmusik? Dann setzt die Kick ein, aber es schmeckt nach Zwischenstück, nach Proberaum-Demo, alles sehr seltsam hier. Bumm Bumm Clap, Fadeout. Zehn Minuten dreiundfünfzig. Erinnert ein wenig an Goldies “Mother” auf “Saturn’s Return”, wenn Sie wissen worauf ich damit hinaus will.

Frau Badu hat keine Lust nur in Dreiminutensongs zu leben, es wird auch viel gespielt und experimentiert. Die Frau die wie kaum eine für Größe in der schwarzen Popmusik steht, weil sie ein so bezauberndes Auftreten hat, ein Sendungsbewusstsein ohne zu predigen, Rolemodel. Weil sie Musik macht die impulsiv und emotional ist, hinter der in Wirklichkeit Arbeit steckt, ein fähiges Team Musiker, und vor allem viel Geschmack. Wieso machen die jetzt sowas?

“Danger” macht auf Clubhit, mit Bläsereinsatz (hm…) und kratzendem Synthetik-Bass. Ganz rockig, aber das können andere echt besser. Was uns dann zum Kern der Sache führt: Die Musik ist gut, aber die Produktion hätte man vielleicht außer Hand geben sollen. Nen Musiker ist halt kein Producer, und Bomben zu bauen ist nochmal ne ganz andere Thematik. Frau Badu und ihr Produktionsteam Freakquency hatten keine Lust sich zu wiederholen, “… also machen wir was neues!” “Ja, aber was?” “Na lass doch mal anfangen und dann schauen.” “Und ne Coverversion könnten wir ja auch mal machen!”

Vermutlich lieg ich ganz arg daneben, beim ersten Kelis-Album war ich auch von der schlechten Produktion enttäuscht und inzwischen sind die Kerle dahinter die Wichtigsten im Pop-Business, die Rolling Stones lassen sich von ihnen nachbearbeiten und ich bin Fan. Aber trotzdem. Normalerweise ist die Entwicklung doch immer umgekehrt: erst halbprofessionelle Maschinenmusik mit albernen Refrains, und dann vollakkustische tiefe Muckermucke. Irgendwas lief da schief.

Bin mal gespannt auf die kommenden Remixe. Jetzt erstmal drüber schlafen und später nochmal hören, vielleicht muss man sich nur reingewöhnen…

(Ach übrigens, Herr Kravitz hat wider Erwarten gar nicht gestört, er hat ganz unauffällig gezupft. Dafür singt Dead Prez virtuoser als es seine Stimme unterstützt, aber zum Glück nur ganz kurz.)

Erykah Badu Homepage
Google Suche: Erykah Badu

Keine Kommentare, keine Pings.

Keine Kommentare möglich.