Der Tod der Großstadt
Ich hatte irgendwann die Idee, dass nicht nur Lebewesen, sondern auch Gegenstände auch tot sein könnten. Ich meine nicht tot im Sinne von unlebendig, sondern eher verlassen, nicht mehr verwendet oder sinnlos – Dinge, die ihren Zweck einfach nicht mehr erfüllen und für die sich keiner mehr interessiert. Das ist bestimmt nichts Neues, aber ich fand es interessant, dass man unter diesem Gesichtspunkt in einer Großstadt unheimlich viel Tod sieht:
Tote Plastiktüten, die irgendwo auf dem Boden liegen, zu Tode getretene Bierdosen, die den Weg zu ihrem Begräbnis (der Mülleimer) nicht mehr geschafft haben, zertretene Zigaretten, die ja ohnehin nur für ca. 7 Minuten leben sollen und tote Fahrräder, die irgendwo an einen Pfosten gekettet und einfach verhungert gelassen wurden. Nicht nur das! Spätestens dann, als klar war, dass sie tot waren, wurden ihnen noch alle lebenswichtigen Organe (Reifen, Kette, Licht oder Klingel) geklaut. Diese werden dann entweder auf dem Schwarzmarkt verkauft oder einem anderen Fahrrad eingepflanzt.
Ich fand es manchmal nur traurig, dass es für diese verlassenen toten Fahrräder keinen ordentlichen Bestattungsdienst gibt. Und so finden sich rund um Berlin unzählige tote Fahrräder. Berlin ist damit nicht allein. Joe Schumacher hat eine kleine Gallerie von verlassenen Fahrrädern in New York City angelegt.
Es gibt Unmengen davon und manchmal fragt man sich, was die Geschichte dieser verlassenen Fahrräder ist, vor allem wie es zu ihrem Tod kam.

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was zum thema:
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[ oriba san am 29.3.2004 um 10:16 | # ]
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