Kategorie 'Musik'

Die Bands der Zukunft

Vier Jahre sind vergangen seit meinem Artikel über die Zukunft der Musikindustrie. Und ein Großteil der Vorhersagen sind eingetroffen. Oder zumindest sind wir mehr als je zuvor auf dem Weg dahin. Im Jahre 2008 redet also jeder davon, dass alles dahin tendiert, dass Musik umsonst sein wird. Es lässt sich technisch, politisch oder rechtlich nicht vermeiden, dass Musik heruntergeladen wird, ohne dafür zu bezahlen. Die Technologie-Experten meinen ganz gut zu wissen, wie das in Zukunft läuft: Die Plattenfirmen sollen endlich einsehen, dass der aktuelle Trend zur Gratis-Musik unumkehrbar und unvermeidbar ist. (Recht haben sie.) Und für die Künstler gehe das Leben doch auch weiter: Musik einfach umsonst hergeben (denn das sei ja Promotion) und von Konzertgagen leben. Momentan berühmte Künstler unterstützen diese Ansicht mit ihren Experimenten. Radiohead, Madonna oder NINs Trent Reznor werden natürlich immer genügend Geld mit Konzerten machen. Aber wie verhält sich das bei den kleinen Bands? Oder denjenigen Künstlern, die das Potential haben, die das große Publikum aber noch nicht erreicht haben?

“Promotet eure Band mit MP3s, die ihr umsonst auf eurer Website (oder MySpace) zur Verfügung stellt!” lautet die Aufforderung. Gut gemeint, leider sehr realitätsfern. Fast alle (unbekannten) Bands, die ich kenne, machen genau das schon seit Jahren. Sind sie deswegen berühmt und können große Gagen einfahren? Selbst die bekannten Bands profitieren hier nicht so, wie man das denkt. Nehmen wir eine Band wie die “Beatsteaks” (die sicherlich gut von ihren Konzerten leben können). Ihre MySpace-Seite existiert seit zweieinhalb Jahren. Der MySpace-Musikplayer zeigt ca. eine Million Total Plays an. Downloads Today: 0. Plays Today: 113. Eine Million Plays in zweieinhalb Jaren? Für die Beatsteaks? Das ist doch eher mickrig. Bei einem größeren Radiosender hat man schon mit einer Handvoll Einsätzen eine Million Hörer erreicht, vielleicht sogar an 2-3 Tagen. (Ein Auftritt bei “Wetten dass…?” erreicht über 10 Millionen Zuschauer.) Und wie sieht das dann erst bei der kleinen Band XYZ aus Hintertupfingen aus, die noch nicht so bekannt ist?

XYZ haben sicher eine MySpace-Seite und geben ihre Songs zum Download frei. Vielleicht haben sie auch die Chance, in einem Jugendclub oder einer Bar aufzutreten. Gibt es dort Gagen, von denen sie leben können? Sicher nicht. Es ist sogar noch etwas verschärfter: Wollen sie außerhalb Hintertupfingen spielen, fallen Kosten an für Auto/Bus, Benzin, Übernachtung und Essen. Bei einem Konzert, das nur 100km entfernt stattfindet, sind das bis zu 500 EUR, die ausgegeben werden müssen. Kein Veranstalter bezahlt 500 EUR Festgage für eine Band, von der er nicht mit absoluter Sicherheit weiß, dass sie genügend Zuschauer mitbringen. So etwas setzt also eine gewisse “Berühmtheit” voraus.

Also wie wird man “berühmt”? (Und damit kann auch schon “lokal bekannt” gemeint sein.) Das ist die Kernfrage und letztendlich das, womit sich die großen Plattenfirmen tagtäglich beschäftigt haben. Das ist komplex und bestimmt nicht einfach. (Sonst wäre ja jeder berühmt.) Insbesondere kostet das Geld und Manpower: Radiopromotion, Pressepromotion, TV-Promotion, Internet-Promotion, Marketing-Kooperationen, Support-Touren. Das haben die Plattenfirmen bisher bezahlt. Das Geld bekamen sie durch den Verkauf von CDs wieder rein. Man kann es drehen wie man will: Ohne diese Promotion bleibt eine national unbekannte Band eine national unbekannte Band. (Übrigens bleibt sie das oft genug auch mit dieser Promotion.) Und als national unbekannte Band gibt es keine Gagen, von denen man leben kann. Coverbands sind da eine Ausnahme.

Um diejenigen, die bereits berühmt sind, brauchen wir uns ohnehin keine Sorgen zu machen. Die haben schon ausgesorgt oder werden leicht neue Modelle finden Geld zu verdienen. Es sind die (noch) kleinen Bands, die Schwierigkeiten haben, in dieser neuen Musikwelt nach oben zu kommen. Insofern geht mir die aktuell gängige Meinung der Technologie-Experten persönlich sehr stark an der Realität vorbei. Folgende Frage bleibt in der aktuellen Diskussion unbeantwortet: Wie kann sich in der heutigen Medienwelt eine unbekannte Band so promoten, dass sie den Bekanntheitsgrad erreicht, der es ihr erlaubt, Gagen zu verlangen, von denen sie leben kann? Das sage mir mal einer.

Straßenmusiker in Berlin

Die Belästigung durch Straßenmusiker insbesondere in Berlin Mitte bzw. Prenzlauer Berg hat in den zwei Jahren extrem zugenommen. Ich nehme hier ohne Scheu das Wort “Belästigung” in den Mund, weil es wirklich rein gar nichts mehr mit Unterhaltung zu tun hat. Heute saß ich eine dreiviertel Stunde in einem Restaurant und musste mir währenddessen sage und schreibe vier MalBésame Mucho” auf dem Akkordeon anhören. (Wahrscheinlich eher 12 Mal, da das Stück ja vor jedem Restaurant in der Umgebung wiederholt wurde.) Und kein einziger der spielenden Osteuropäer konnte das Stück auch nur ansatzweise richtig spielen. Weder die Akkorde (meistens wurde nur ein einziger, zufällig ausgewählter Akkord dazugedrückt) noch die Melodie. Und das, obwohl diese Typen dasselbe Stück doch den ganzen Tag zum Besten geben.

Als ich vor sechseinhalb Jahren hier ankam, gab es auch Straßenmusiker, aber die Vielfalt war weitaus größer. Auf den Straßen spielten Gitarristen, in der U-Bahn sangen Afroamerikaner, in den Parks spielten zum Teil richtig gute Bands oder Alleinunterhalter. Die Qualität ließ damals auch oft zu wünschen übrig, aber die Vielfalt machte das wieder wett. Der Großteil dieser Musiker sind verschwunden. Ich habe daraufhin vor kurzem einen dieser “alten Garde” befragt. Er sagte, es sei als Gitarrist inzwischen unmöglich irgendwo zu spielen, weil diese osteuropäischen Familien so viel Lärm mit ihrer Musik machen, dass es keinen Sinn mehr macht für ihn. Traurig.

Ein paar Mal habe ich es erlebt, dass ein Barbesitzer diese Gruppen verscheucht hat. Für die Kunden war er jedes Mal der Held des Tages. Die Leute waren so dankbar wie ich es selten gesehen habe. Also bin ich nicht der einzige, dem das auf die Nerven geht. Also dachte ich mir bisher, dass Angebot und Nachfrage das Problem von selbst lösen würde. Wenn niemand Geld gäbe, würden sie schon verschwinden. Leider gibt es immer mindestens einen, sagen wir, bayerischen Touristen, der zwei Euro in den Becher wirft, weil er die Musik so toll findet oder weil er einfach das Geld hat. Auch im Restaurant heute setzte sich kurz vor dem vierten Akkordeonisten ein neuer Gast zu uns. Und genau der gab dann das Geld. Also wird uns “Bésame Mucho” die nächsten Jahre nicht erspart bleiben… Mal ganz abgesehen von Obdachlosenzeitungsverkäufern, Zeitungsabonnementwerbern, Rosenverkäufern und sonstigen Bettlern, von denen ich hier gar nicht anfangen will. Da bin ich ja sowieso schon ganz schön abgestumpft.

Update (29.7.2007): Bei den meisten Musikern handelt es sich offenbar um Rumänen. Und auch die Empfehlung des Experten ist: Nichts geben.

Castings

Habe gerade gesehen, dass die Single des DSDS-Gewinners Mark Medlock bereits in der zweiten Woche auf Platz 1 der deutschen Charts ist. Und das erinnert mich an Tobias Regner, mit dem ich mich letztes Jahr über seine Zukunftspläne unterhielt. Und obwohl seine Einschätzung noch relativ realistisch klang (”Mal sehen. Erst mal mache ich einen Motorrad-Führerschein, dann sehen wir weiter.”), hatte wohl keiner vermutet, dass der Absturz so schnell kommen würde. Aus seinem Band-Umfeld wurde mir berichtet, dass ein größer angelegtes Konzert (Halle für ca. 3.000 Leute) in der Nähe seines Heimatorts von lediglich 28 Leuten besucht wurde. Auf Regners letztjährigen Tour waren in derselben Gegend (”Teisendorf”) über 4.000 Zuschauer anwesend. In aktuellen Interviews ist verständlicherweise ein wenig die Enttäuschung herauszulesen.

Dem zweitplatzierten Mike-Leon Grosch erging es nicht anders. Er ist noch im selben Jahr von seiner Plattenfirma “gedroppt” worden, obwohl er mir (auch letztes Jahr) noch klarzumachen versuchte, dass “es hauptsächlich auf einen selbst ankommt, ob man es längerfristig schafft oder nicht”. Mike spielt jetzt mit seiner Cover-Band auf Firmenauftritten. Auch Alexander Klaws traf ich letztes Jahr, und der schien noch mitten im Versuch zu stecken, da etwas retten zu wollen. Nach einem Engagement im Musical-Bereich will er ein neues Album aufnehmen. (Hat jemand was von seinem letzten Album gehört?) Und mit “Monrose” ist es ja wohl auch vorbei. Beziehungsweise wer kennt denn noch “Nu Pagadi”, “Preluders” oder “Overground”? So viel dazu.

Ich verstehe es dann immer noch nicht, warum immer noch so extrem viele Menschen bei diesen Castings mitmachen. Und vor allem, warum nach so vielen Jahren die Teilnehmer immer noch nicht verstanden haben, dass das nicht länger als bis zur nächsten Staffel hält. Das Kurzzeitgedächtnis scheint hier besonders ausgeprägt zu sein. Und zwar nicht nur bei den Künstlern, sondern auch in der Branche. Ich erinnere mich, wie bei Tobias Regner die Musikbranche noch groß gerätselt hatte, ob das nun derjenige ist, der es länger schafft. Aber spätestens auf den ersten Konzerten war es dann zu sehen: Das Publikum war 1:1 das RTL-Publikum. Die hatten nichts mit Musik am Hut. Auch nicht wirklich mit der Person Tobias Regner. Die Konzerte waren eine Verlängerung der Show. Aber “The show must go on”. Die Fußball-WM löste die DSDS-Hysterie ab und jetzt gibt es schon einen neuen DSDS-Gewinner. So ist das halt.

Auch wenn das für die Sänger sicherlich eine Zeit lang spannend war (und für kurze Zeit auch monetär belohnt wurde), wenn es jemandem darum geht, eine Gruppe von Fans über einen längeren Zeitraum zu halten, ist der herkömmliche Weg mit eigener Band und eigener Musik wohl immer noch der bessere. Auch bei Tobias Regner wären dann sicherlich mehr als 28 Leute zum Konzert gekommen.

Bilder von springenden Bands

MySpace fördert ja inzwischen auch in Deutschland alles zu Tage, was irgendwie ein Instrument spielen kann. Da sich aber jede Band bewusst ist, dass die Musik alleine nicht ausreicht, sondern man auch zumindest gute Bandfotos haben muss (denn jeder Veranstalter verlangt diese), finden dann natürlich entsprechend Shootings statt. Von den Bands, die mir auf MySpace über den Weg laufen, könnte ich 10 Jahre lang jeden Tag ein bescheuertes Foto veröffentlichen. Daher beschränke ich mich auf eine kleine Auswahl eines bestimmten Typs: das Sprungbild. Man hört den Star-Fotografen förmlich sagen: “Hmm, was machen wir jetzt? Ach, springt doch einfach mal und ich knipse dann, wenn ihr in der Luft seid!” Geniale Idee! Wie toll das aussieht, seht Ihr hier:

confus.jpg

Mom’s Day

Konzert: Skoma und Ninja

Erster Mai in Kreuzberg. Der Rest Deutschlands assoziiert vermutlich Krawalle und fliegende Steine — wir Berliner aber freuen uns aufs Maifest, oder “myfest“, wie es seit einigen Jahren genannt wird. In der Oranienstraße und Umgebung werden Bühnen aufgebaut, Infostände und Basketballkörbe, und man verbringt den Sonntag damit rumzuschlendern, Leute zu treffen, was zu essen, und vor allem mit Musik: es gibt ne Menge Konzerte. Ne Menge. Und in Kreuzberg heißt das erstmal: Hip Hop.
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André Rieu – Wiener Melange

Vor kurzem habe ich das Album “Wiener Melange” von André Rieu in die Hände bekommen. Normalerweise höre ich klassische Musik eher selten, aber ich muss sagen, dass dieses Album der absolute Hammer ist!
Nein, war ein Scherz. Gute Nacht.

Offizielle Webseite

Elliott Smith ist tot

Der junge Indiemusiker wurde durch den Soundtrack von “Good Will Hunting” bekannt, sein Stück “Miss Misery” wurde sogar Oskar-nominiert; besser gefiel mir im Film jedoch “Between the Bars”, als man die Liebenden zum ersten Mal im Bett sieht.

Dass seine Musik für besondere Momente in Filmen sorgt merkt man auch bei “The Royal Tenenbaums”: während Richie Tenenbaum vor dem Spiegel steht und sich auf seinen (missglückten) Selbstmord vorbereitet. Er setzt zum ersten Mal im Film die Sonnenbrille ab, rasiert sich und kürzt sich die Haare, dazu läuft “Needle in the Hay”.

Da eh schon genug über Smith geschrieben wird verweis ich zum Weiterlesen einfach auf die Suchmaschine. Hab jedenfalls beide Filme nochmal gesehen und find beide außergewöhnlich gelungen.

Google Suche: Elliott Smith

Bruce Haack (1931 – 1988)

“Around 1968 Bruce talked about a time when all people would create and share their music ELECTRONICALLY without record company involvement. In this techno-future, we would all share music and communicate with it directly from from mind to mind/soul to soul.” (brucehaack.com)

Bruce Haack war ein Pionier der elektronischen Musik. Dieses Jahr erscheint ein Dokumentarfilm über sein Leben und Werken, unter Anderem mit Kommentaren von Mouse on Mars, Beck, und Money Mark.
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Über die Zukunft der Musikindustrie

RIAA steht für “Recording Industry Association of America”. Dieser Verband vertritt alle Major-Labels in den USA: EMI, Sony, Universal Warner und Bertelsmann. So richtig bekannt wurde die RIAA allerdings erst, als die Internet-Tauschbörse Napster aufkam, die es jedem Nutzer des Internets ermöglichte, so ziemlich alle Songs, die es gibt, herunterzuladen, ohne einen Cent dafür zu bezahlen. Napster sowie die weit verbreiteten CD-Brenner waren nun Schuld daran, dass die Verkaufszahlen der Majors so rapide in den Keller gingen. Die RIAA sagte diesen technologischen Entwicklungen den Kampf an.
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Jam-Session: Mosquito, Danziger Str. 101, Prenzlauer Berg

[Mittwochs] (Update vom 15.10.: Dienstags) ist in der Mosquito Bar eine Jam-Session. Ich gehe meistens zu Jam-Sessions, wenn ich auf der Suche nach Musikern bin und um zu sehen, was in der “Szene” so passiert. Die Jam-Session in der Mosquito Bar war zwar besser als viele andere in Berlin, aber trotzdem noch Panne.
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