Angriff der Klofrauen

In den letzten Monaten muss mir irgendetwas entgangen sein. Ein geheimer Aufruf oder so etwas. Das Urbedürfnis der Menschen lässt sich kaum noch irgendwo ohne Bezahlung befriedigen, zumindest nicht, wenn man sich in der Öffentlichkeit befindet. Es ist üblich geworden, dass vor jeder öffentlichen Toilette nun jemand sitzt und Geld will. Dafür, dass die sanitären Anlagen sauber gehalten werden. Prinzipiell muss man erst einmal annehmen, dass das in Ordnung ist, denn man möchte ja saubere Toiletten und derjenige, der sie sauber hält, muss auch von irgendetwas leben. Aber in letzter Zeit sind mir extrem viele Fälle über den Weg gelaufen, die die Vermutung nahe legten, dass es hier mehr um Bereicherung als um Lebensunterhalt geht.

Zum ersten Mal wurde mir das bewusst, als ich auf einer Kinotoilette eine Klofrau antraf. Man bezahlt schon acht Euro, um einen Film zu sehen, vier Euro für ein bisschen Cola und darf dann dafür zahlen, dass man pinkeln muss. Diese Frauen in weißen Kitteln wissen, wie man Geld verdient. Beim Reingehen wird gegrüßt, so dass man sie nicht ignorieren kann. Legt man dann eventuell 10 Cent oder gar eine nickelfarbene Münze auf den Teller, verschwinden diese gleich in der Tasche: Denn alle anderen zahlen doch nicht unter 50 Cent. Manch eine wird sogar ungemütlich, sollte sich auch nur eine Person rausschleichen, ohne zu zahlen.

Vor ein paar Wochen war ich in einem McDonald’s Restaurant und bestellte mir ein Maxi-Menü. Nachdem Essen, auf dem Weg zur Toilette stellte ich brav mein Tablett in die dafür vorgesehene Ablage. Vor der Toilette saß eine Klofrau, die mich schon hatte kommen sehen. 50 Cent. Auch für Kunden. Egal wieviel man schon bei McDonald’s ausgegeben hatte. Ich verzichtete und ging. Mein letzter Besuch.

Mittlerweile haben auch fast alle Raststätten in Deutschland Klofrauen installiert. Klar, denn nach einer langen Fahrt ist das das erste, was es hinter sich zu bringen gilt. Ein großer Teil der deutschen Raststätten hat nun sogar ein Automatensystem eingeführt: Man zahlt 50 Cent (darunter geht nichts) für die Benutzung der Toilette und bekommt dafür einen Bon, den man in der Raststätte einlösen kann. Klingt erst mal in Ordnung. Nur gibt es für 50 Cent so gut wie gar nichts zu kaufen in einer Raststätte, so dass man gezwungen ist, sogar noch mehr Geld auszugeben. Im Endeffekt neigt man dazu, irgendwelche Dinge zu kaufen, die man sich sonst nicht gekauft hätte. Meiner Meinung nach ist das schlimmer, als freiwillig 10 Cent auf einem Teller zu lassen. Für Frauen gibt es kaum eine Alternative. Männer können hier vielleicht einen Parkplatz aufsuchen. Dann bezahlt die Natur.

Oftmals kann man sich nicht gegen die Situation wehren. Aber ich habe ein Prinzip: Bei Bezahlung auf freiwilliger Basis gebe ich nur Geld, wenn das Klo absolut sauber ist und nicht stinkt (denn das ist schon oftmals nicht der Fall und dafür sollen wir dann trotzdem bezahlen?). Über die anderen Fälle schreibe ich hier und hoffe, dass es gelesen wird. Wir können nichts für die Art und Weise, auf die unser Körper funktioniert. Und wenn man für dieses Urbedürfnis schon zahlen muss, dann würde ich fairerweise verlangen, dass die Preise für Cola im Kino oder an der Raststätte entsprechend gesenkt werden.

Klofrau

(von hier)

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1 Kommentar

  • recht so,

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